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10. März 2015, 11:25

Für Funkamateure

HamVNAS
Aktuelle Software:
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Als Rentner bleibt endlich mehr Zeit für's Hobby und so konnte ich mit "HamVNAS" ein lange geplantes Projekt abschließen.
Im Unterschied zur etablierten Software "RFSim99", "PSpice", "QucsStudio" oder "MathCAD" ist "HamVNAS" speziell auf die Belange des Funkamateurs zugeschnitten und vereinigt Analyse und Synthese unter einem Dach.
Spezielle theoretische Vorkenntnisse, die über das zur Lizenzprüfung notwendige Allgemeinwissen hinausgehen, sind nicht erforderlich.

Die aktuelle Version 1.3 habe ich unter Windows Vista, 7, 8 und 10 getestet und am 17.02.2017 freigegeben.
Die Demo kann zusammen mit einer 60-Seiten-Anleitung und ausführlich kommentierten Praxisbeispielen (Bandfilter, Antennenanpassungen, ...) beim FUNKAMATEUR (Heft 7/2017) zusammen mit meinem "Doppelzepp-Rechner" heruntergeladen werden.

Viel Spaß und gutes Gelingen!

de Walter DL1JWD

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26. Januar 2015, 14:39

Mein kleines Reich



Durch eine schief in den Angeln hängende Tür betrete ich schließlich "mein" Zimmer. Damals, während der Oberschulzeit, war dieser dämmrige Ort mein kleines Reich, hier war ich unumschränk-ter Herrscher, hier schmökerte ich mich nachts durch alle möglichen Bücher und verbrachte unzählige Stunden mit meinen elektronischen Basteleien. Ich sehe mich sitzen, an einem meiner selbstgebauten Radios mit dem Lötkolben hantierend.
Unglaublich, dass das einzige Fenster heute so klein ist, damals erschien es mir wesentlich größer. Ich versuche vergeblich, es zu öffnen. Wozu eigentlich? Ich erkenne das Loch, welches ich damals für die Zuleitung meiner Kurzwellen­antenne durch den hölzernen Rahmen gebohrt hatte. Bis spät in die Nacht lauschte ich mit einem umgebauten Volksempfänger (bestückt mit zwei Wehrmachts­röhren RV12P2000) auf die geheimnis­vollen Morsesignale von Funkamateuren aus der fernen weiten Welt. Die Kopfhörer (ich habe sie heute noch und halte sie heilig) stammten aus dem Nachlass des "alten" Pfarrers Paul Kühne, dem Rundfunkpionier von Rathendorf. Seine Witwe hatte mir damals auch all seine Hinter­lassenschaften an alten Detektor­empfängern, Spulen und Röhren aus den zwanziger Jahren vermacht, war ich doch als der einzige Rathendorfer bekannt, der an diesen Dingen überhaupt Interesse hatte. Heute wäre jedes dieser Einzelstücke eine Sammler-Rarität, damals warf ich vieles achtlos weg – ein unverzeih­licher Fehler!
Ich verschickte Hunderte von Empfangs­berichten, sogenannte "QSL-Karten", nach Deutschland, Europa, USA, Australien oder auch zum Südpol und freute mich, wenn Monate später eine Antwort aus geheimnisvoller Ferne eintraf. Als QSL-Karten dienten mir alte Ansichtskarten unseres Hauses, die ich mit dem Stempelaufdruck "DM 1890/N, op: Walter Doberenz" versah. Damals war noch ein riesiger Kartenstapel aus den Restbeständen des Geschäfts der Großeltern vorhanden, heute hüte ich die letzten drei mir verbliebenen Exemplare wie meinen Augapfel. Vom jetzigen Standpunkt aus betrachtet, war das Verschicken von Hunderten dieser wertvollen handcolorierten Postkarten sicherlich eine maßlose Verschwendung. Doch ist dem alten Haus dadurch eine verdiente Ehre widerfahren - der "Gruß aus Rathendorf" wurde über den ganzen Erdball verstreut.

Haus.jpg


26. Januar 2015, 14:32

Die kybernetische Schildkröte


In meinem dunklen Zimmer brauchte ich für meine Basteleien fast immer elektrisches Licht. Doch früh am Morgen schien im Frühling und Sommer für ein bis zwei Stunden die Sonne durch die kleine Fenster­öffnung, Vogel­gezwitscher und der Duft der riesigen alten Linde begleiteten mein Hantieren mit Blech, Draht und Lötkolben.
Im Jahr 1966 - ich studierte bereits das vierte Semester Radiotechnik in Lwow in der ehemaligen Sowjetunion (heute Ukraine) - verbrachte ich in Rathendorf meine letzten Sommerferien, denn wenige Monate später sind meine Eltern für immer von hier nach Thalheim in das Erzgebirge umgezogen. Da ich mittlerweile in Rathendorf und Umgebung kaum noch gleichaltrige Freunde und Bekannte hatte, wurde es für mich ziemlich langweilig, und das konnte nicht acht Wochen so weitergehen. Ich startete also mein letztes großes Experiment in meinem kleinen dunklen Schlaf- und Bastelzimmer.
Nachdem ich in einer aufwändigen Tagestour (mit dem Fahrrad zum Bahnhof Narsdorf, dann per Bahn über Chemnitz) nach Dresden gefahren war, um mir im einzigen Elektronik-Spezialgeschäft der DDR diverse Transistoren und andere teure Spezialteile zu kaufen, bastelte ich in tage- und nächtelanger Arbeit die Steuerungstechnik für eine so genannte "Kybernetische Schildkröte". Montiert wurde dies alles auf das Fahrgestell eines kleinen motorgetriebenen Panzers, den ich in einem Spielwarengeschäft gekauft hatte. Meine kyber­netische Schildkröte konnte automatisch Hinder­nissen ausweichen um auf eine Lichtquelle zuzusteuern. Durch Händeklatschen wurde sie so "erschreckt", dass sie für ein Weilchen stehen blieb. Der Clou aber war, dass man ihr auch etwas "lernen" konnte.
Dieses in Rathendorf entwickelte "Tier" habe ich dann zunächst mit in die SU genommen, um es dort meinen Mitstudenten vorzuführen. Ein russischer Professor aber war davon so begeistert, dass er mir spontan Praktikum und Prüfung im Fach "Elektronische Schaltungstechnik" erließ. Drei Jahre später war mein Studium beendet und ich kehrte als stolzer Inhaber eines "Roten Diploms" in die DDR zurück.
Meine Kybernetische Schildkröte hat mich auch während meiner anschließenden Assistentenzeit an der Technischen Hochschule Chemnitz treu begleitet. Als die Bionik als neuer Zweig der Informationstechnik groß in Mode kam, habe ich sie nicht nur auf einigen wissenschaftlichen Kolloquien vorgeführt, sondern auch auf mehreren Veranstaltungen der Urania vor staunenden Rentnern. Auch zahlreiche Anregungen für meine Doktorarbeit zu zellularen Strukturen in der Informationstechnik verdanke ich meiner kybernetischen Schildkröte. Leider ist sie, nachdem sich mein Interessenschwerpunkt auf das Programmieren von Computern verlagert hatte, bei einem meiner Wohnungswechsel verloren gegangen. Ich trauere ihr jetzt noch nach.