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11. November 2016, 12:21

Das Menetekel an der Wand

Die Wahl von Donald Trump kam für die Clinton-affinen US-Medien völlig überraschend, nach Überwindung der Schockstarre schüttet man sich Asche auf's Haupt und jammert: "Leider haben viel zu viele von uns aufgehört, ihren Beruf als Journalist auszuüben und sich als "Cheerleader" für Hillary Clinton gegenseitig überboten, anstatt dem Volk zuzuhören ".

Leider trifft diese traurige Erkenntnis 1:1 auch auf den Mainstream der deutschen Medienlandschaft zu, scheint aber noch nicht dort angekommen zu sein. Statt das eigene Rollenverständnis kritisch zu hinterfragen, müssen Phantombegriffe wie "postfaktisches Zeitalter" und "ungebildeter Wutbürger" jetzt nicht mehr nur noch für das Erstarken der AfD und die zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft herhalten, sondern werden mangels eigener Ideen auch zur Erklärung der Wahlergebnisse in den USA herangezogen. Statt echte Meinungsforschung zu betreiben wird lediglich Hofberichtserstattung praktiziert.

Millionen von "Wutbürgern" aber haben es mittlerweile satt, sich immer wieder von solchen "Eliten" die Welt erklären zu lassen, die diese selbst nicht mehr verstehen, weil sie schon seit langem zu gutbezahlten Höflingen mutiert sind.

Dazu kommt mir eine Ballade von Heinrich Heine wieder in den Sinn, die mich schon als Kind fasziniert hatte, sie bezieht sich auf König Belsazar aus dem Alten Testament der Bibel.
Die biblische Szene, die Heine zu seinem Gedicht inspiriert hat, ist auf Rembrandts Gemälde "Das Gastmahl des Belsazar" von 1635 zu sehen.
Wortgewaltig beschreibt diese Ballade die letzten Stunden eines allzu selbstgefälligen Herrschers, der (umgeben von einer Schar "dauerklatschender" Höflinge) die "Flammenzeichen an der Wand" nicht als Vorbote des eigenen Untergangs zu deuten vermochte:

Belsazar

Die Mitternacht zog näher schon;
In stummer Ruh lag Babylon.

Nur oben in des Königs Schloss,
Da flackert's, da lärmt des Königs Tross.

Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte saßen in schimmernden Reihn
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
So klang es dem störrigen Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings reißt der Mut ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und er brüstet sich frech, und lästert wild;
Der Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
Und rufet laut mit schäumendem Mund:

"Jehovah! dir künd ich auf ewig Hohn –
Ich bin der König von Babylon!"

Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward's heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! und sieh! an weißer Wand
Da kam's hervor wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.

Der König stieren Blicks da saß,
Mit schlotternden Knien und totenblass.

Die Knechtenschar saß kalt durchgraut,
Und saß gar still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.


PS.:
War es im alttestamentarischen Sinn " Jehova" (Gott), der vom durchgeknallten König verspottet wurde, so ist es heute "das Volk"(der Souverän(!)), der von den Leitmedien (den treuen Erfüllungsgehilfen von Altparteien und Kirchen) zumindest als "Besorgter Bürger", in der Regel aber als "Fremdenfeind", "Rassist" oder gar "Nazi" herabgewürdigt und beschimpft wird.
So viel Blindheit bleibt nicht ungestraft ...


13. November 2015, 22:27

Flüchtlinge, Islam und Merkel

Angesichts der anhaltenden islamistischen Terroranschläge kann ich nicht anders als nochmals auf die langfristigen Folgen einer muslimischen Massen-einwanderung auf dem von unserer Bundeskanzlerin ausgerollten Roten Teppich hinzuweisen:

Der Islam ist keine Religion im jüdisch- christlichen oder fernöstlichen Verständnis.
Der Islam ist vielmehr ein komplexes System, das eine eigene Rechtsordnung (Scharia) und ein mit westlichen Wertevorstellungen inkompatibles Staatsverständnis umfasst (islamischer Staat, wie in Saudi Arabien oder im Iran realisiert).

Unbestrittener Fakt ist:
Keine andere Religion der Welt bringt heute so viele Gewalttäter hervor wie der Islam (paradoxerweise "Religion des Friedens")!?
Ist es deshalb nicht eine ganz normale und gesunde Reaktion, dass viele Menschen Angst vor dem Islam haben und auf die Straße gehen um gegen die Masseneinwanderung aus arabischen Ländern zu protestieren (Pegida)? Diese Menschen erfüllen nichts weiter als ihre Bürgerpflicht und müssen sich dafür als "Pack" (Sigmar Gabriel) beschimpfen lassen.
Oder sich verhöhnen lassen z.B. von der prominenten evangelische "Redakteurin" Claudia Becker, die den Islam nicht als Bedrohung des christlichen Abendlandes sieht und es sogar für richtig hält, dass Kardinal Woelki in Köln die Lichter des Doms abschalten ließ, als Islamkritiker unterwegs waren.
Selbsternannte "überzeugte" Christen, wie der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow oder die Grünen-Vorsitzende Karin Göring Eckhardt, tragen ihr arrogantes Gutmenschentum wie eine Monstranz vor sich her.
Ist es Blindheit oder Dummheit? Auch ich bezeichne mich als Christ und glaube an Gott. In der Bibel habe ich keinerlei Rechtfertigung dafür gefunden, dass man eine unkontrollierbare Völkerwanderung zulassen muss, wenn die Erfahrung lehrt, dass diese früher oder später zum eigenen Untergang führt. Deshalb bin ich aus unserer von "Falschen Propheten" dominierten Kirche ausgetreten, die ihren widerlichen Kniefall vor dem Islam mit dem naiv und eindimensional interpretierten Gebot der christlichen Nächstenliebe begründet. Martin Luther (dessen Erbe zu bewahren sie heute heuchlerisch vorgeben) würde sich im Grab umdrehen!!!

Die moslemischen Migranten bringen ihre Sozialisation bereits mit und werden die damit verbundenen Vorstellungen allein schon deshalb nicht freiwillig ablegen, weil sie sich nicht aus freien Stücken für ein Leben in einer westlichen Demokratie entschieden haben.

Die Chancen dafür, dass die Integration von Millionen Muslimen in unser Wertesystem gelingen könnte, gehen gegen Null!
Das belegen nicht nur die Erfahrungen mit vielen der bereits im Land lebenden Muslime mit türkischen und arabischen Wurzeln,
sondern auch ein Blick auf die Geschichte:
Eine friedliche Koexistenz zwischen Muslimen und anderen bestand nur solange, bis die Muslime stark genug waren, die Macht zu übernehmen.

Die meisten moslemischen Länder wurden durch das Schwert erobert, die Eroberung Europas konnte bei Poitiers und vor Wien abgewehrt werden.
Die aktuelle Alternative zur kriegerischen Unterwerfung anderer Völker besteht in der Migration und wir erleben derzeit eine moslemische Masseneinwanderung.

Vor dem geschichtlichen Hintergrund ist die Weigerung unserer östlichen Nachbarstaaten, Muslime in größerer Zahl aufzunehmen, durchaus verständlich.

Wenn ein solch reiches moslemisches Land wie Saudi Arabien keinen einzigen seiner in Not geratenen Glaubensbrüder aufnehmen will, stattdessen aber 200 neue Moscheen in Deutschland finanziert, so sagt das einiges über den expansiven Charakter des Islam aus!

Verantwortliche politische Entscheidungen erfordern vor allem die Weitsicht für die sich daraus ergebenden mittel-und langfristigen Folgen.
Diesen Anforderungen wird die Politik der Bundesrepublik in der Flüchtlingsfrage in keiner Weise gerecht!

Dieses Defizit lässt sich auch nicht mit leeren Parolen wie "Der Islam gehört zu Deutschland" und "Wir schaffen das!" überwinden.

Offensichtlich unbekannt ist unseren politischen und geistlichen Eliten die zeitlos gültige Anweisung der Gesta Romanorum:
"Quidquid agis prudenter agas et respice finem" (Was auch immer Du tust, handle überlegt und bedenke das Ende).

10 Jahre Kanzlerschaft haben mittlerweile bewirkt, dass bei Frau Dr.Merkel (paradoxerweise eine promovierte Physikerin!) und bei ihren zahlreichen Enddarmbewohnern das logische Denken völlig abhanden gekommen ist.


30. Januar 2015, 14:18

Zu Gast bei Thilo Sarrazin



Es ist stockdunkel als wir uns inmitten einer langen Fahrzeug­schlange mühsam durch die lange Dorfstraße von Kosma, einem Örtchen unmittelbar an der Westgrenze Altenburgs gelegen, quälen.
Eine zermürbende Parkplatzsuche beginnt, denn die Straßenränder sind total mit Autos verstopft, dazwischen einige Polizeiwagen. Nachdem der gegenüberliegende Ortsausgang fast erreicht ist, findet sich endlich eine kleine Lücke, in welche nach mehreren Rangiermanövern unser Fahrzeug gerade noch so hineinpasst. Es ist purer Stress, denn hinter und vor uns hupt es, weil unser Einparkmanöver die enge Straße blockiert. Wären wir doch eher losgefahren, jetzt in der Hektik bloß keinen Blechschaden verursachen, cool bleiben! Endlich steht unser Auto leidlich gut und wir müssen uns beeilen, denn um acht beginnt die Veranstaltung und wir haben im straffen Tempo noch einige hundert Meter zu marschieren.

Am Dorfgasthof angelangt finden wir uns inmitten einer Menschentraube wieder, die in die weit geöffnete Eingangstür hineindrängt und von einer Polizeikette von einem knappen Dutzend überwiegend jüngerer Leute abgeschirmt wird, die Plakate in die Höhe halten, eine große rote SPD-Fahne schwenken und etwas in ein Megaphon hineinschreien. Dieses Häuflein, das dem angekündigten Redner (dem eigenen Parteigenossen!) Rechtspopulismus, Ausländer­feindlich­keit, Rassismus und Intoleranz vorwirft, wird aber von der herbeiströmenden Menge nicht weiter beachtet, Diskussionen oder gar Konfronta­tionen bleiben aus.

Nachdem wir im dichten Gewimmel endlich unsere Mäntel an der Garderobe losgeworden sind werden unsere Eintrittskarten (eine kostete stolze 21,90 €) geprüft. Anschließend kontrollieren schwarzgekleidete Sicherheitsbeamte akribisch Utes Handtasche (ihr kleiner Regenschirm wird genauestens untersucht, könnte es sich doch um eine Rohrbombe handeln ...) und auch meinen mitgeführten Aktenkoffer, dessen wesentlicher Inhalt allerdings nur aus dem verteufelten Buch im roten Umschlag und aus einem kleinen Fotoapparat besteht.

Nun endlich ist der Weg frei zum großen altehrwürdigen Saal, der mitsamt seiner umlaufenden hölzernen Galerie noch so urgemütlich aussieht wie Anfang des vergangenen Jahrhunderts und der bereits prall mit Menschen gefüllt ist. In dicker Luft stehen dicht gedrängt die Stuhlreihen und mühsam zwängen wir uns auf unsere Plätze 16 und 17 in der fünften Reihe.
Mein Blick schweift umher, ich schätze so etwa 500 bis 600 Gäste, kein bekanntes Gesicht aber dann doch wenigstens eins: zwei Reihen vor mir entdecke ich den mir von meiner ehemaligen Rotary-Mitgliedschaft her bekannten FDP-Politiker Karsten Z.

Nun wird es noch enger, denn auf den bislang noch freien Platz links neben mir zwängt sich ein schwarzgekleideter glatzköpfiger Mann mittleren Alters, ein frisch gefülltes Bierglas in der Hand.
Es ist bereits zehn Minuten nach acht als urplötzlich Stille eintritt und nur noch das dumpfe Brummen der Lüftung zu hören ist. Im aufsteigenden Raunen der Menge und im Geleit von Sicherheitsleuten schreitet aufrecht und mit schnellem Gang ein hochgewachsener schnurr­bärtiger Mitsechziger durch den Saal, das kurze silbergraue Haar sorgfältig gekämmt. Genau dieser Mann hat im vergangenen Jahr für eine gigantische mediale Hysterie gesorgt, zahlreiche Talkrunden im Fernsehen dominiert und Politiker aller Couleur in Aufregung versetzt. Auslöser für dieses politische Erdbeben war sein Buch "Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen". Dieser Bestseller ist das bislang am meisten verkaufte Politik-Sachbuch eines deutschsprachigen Autors im vergangenen Jahrzehnt. Heute und hier in diesem entlegenen Winkel Thüringens soll deutschlandweit sein insgesamt letzter Auftritt zu seiner insgesamt vierzehnmonatigen Lesereise quer durch Deutschland sein – das wollten und durften wir uns nicht entgehen lassen!

Das Raunen der Menge geht in tosenden Applaus über, der auf den hinteren Reihen immer stärker wird, nur auf den teuren Plätzen vor uns regt sich kaum eine Hand, Karsten Z. hat mit verschränk­ten Armen eine verbockte Abwehrhaltung eingenommen.

Begonnen hat alles im vergangenen Jahr mit dem Erscheinen des umstrittenen Buchs. Damals noch Vorstandsmitglied der Bundesbank hatte Sarazin darin u.a. einen höheren Integrations­druck auf muslimische Migranten gefordert. Man dürfe nicht zulassen, dass 40 Prozent dieser Menschen von Transfer­leistungen lebten und ihnen jede Form von Integration erspart bliebe.
In drei Wellen schwappte die Debatte über das Land:

In der ersten Welle dominierte Kritik bis hin zum Abscheu. Politiker und Meinungs­macher verurteilten Sarrazin nahezu einhellig, dazu gehörten insbesondere1:
- Claudia Roth (Partei DIE GRÜNEN), die Sarrazin als "Quartalsirren" bezeichnete.
- Margot Käßmann (EKD), die ihm "Menschenverachtung" vorwarf.
- Katrin Göring-Eckardt (Präses der EKD, Partei DIE GRÜNEN), die seine Äußerungen als "rassistisch" verurteilte.
- Andrea Nahles (SPD), die ihn als "unterbeschäftigten Bundesbanker mit ausgeprägter Profil­neurose" beschimpfte.
- Gesine Lötzsch (LINKE), die erklärte, er "hetze Menschen auf" und sei "untragbar".
- Renate Künast (Partei DIE GRÜNEN), die erklärte, die Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Sarrazin mache eine ganze "Bevölkerungsgruppe verächtlich", reiche nicht aus und ihm "Aufhetzung" vorwarf.

Dann sickerte in einer zweiten Welle durch, was die Mehrheit der Bürger denkt. Bereits wenige Tage nach dem Erscheinungstermin kündigte der Verlag an, wegen der riesigen Nachfrage die Buchauflage auf 250 000 Exemplare zu erhöhen. In Internetforen und bei politischen Veranstaltungen erhoben sich massenhaft Stimmen, die sagten: "Der Mann hat recht". Oder: "Selbst wenn er hier und dort nicht recht hat, darf so nicht mit ihm umgegangen werden".
In einer E-Mail an die SPD-Parteizentrale hieß es: "Warum es im heutigen Deutschland nicht mehr möglich ist, sich mit deutlichen Worten zu äußern und die Dinge ungeschminkt beim Namen zu nennen, lässt mich manchmal verzweifeln und macht mich wütend! So was kenne ich nur von totalitären Staaten."

Folgerichtig rollte dann die dritte Welle an, die auch bis heute noch nicht abgeklungen ist. Nun fordern viele der "schlaueren" Politiker, man müsse die Stimmung in der Bevölkerung aufnehmen, z.B. : "Auch wenn man manche seiner Thesen nicht teilen kann - er spricht Themen an, die unsere Bürgerinnen und Bürger bewegen."
Selbst dieses Zurückrudern auf breiter Front hielt aber SPD-Chef Gabriel nicht davon ab, ein Parteiausschlussverfahren gegen seinen Parteifreund anzustrengen. Dieses ehrgeizige Vorhaben scheiterte kläglich, es ließen sich keine stichhaltigen Anklagepunkte finden, keine der zahlreichen im Buch aufgeführten Statistiken ließ sich widerlegen, das Murren an der Parteibasis wurde lauter, man drohte mit Parteiaustritten.
Sarrazin war endgültig zum Märtyrer und Volkshelden aufge­stiegen. Umfragen beweisen, dass auch heute noch 70% der Menschen Sarrazin überwiegend recht geben.

Interessanterweise ist diese Relation bei unseren führenden "Volksvertretern" nach wie vor genau umgekehrt. Hat sich unsere politische Klasse so weit vom Volk entfernt?
Ich frage mich auch, ob einer der erbitterten Sarrazin-Gegner die 462 Seiten gründlich durch­gearbeitet oder überhaupt das Buch jemals in der Hand gehalten hat. Die mit zahlreichen Statistiken durchsetzte Lektüre ist nicht einfach, teilweise ist sie sogar ermüdend, denn es handelt sich hier um ein Buch, das nicht gelesen werden kann wie ein Roman, sondern durchgearbeitet werden muss wie ein Fachbuch, Schwätzer haben dazu weder die Zeit noch die Geduld.

Sarazins Kritiker schwingen mangels Gegenargumenten in der Regel die Rassismus-Keule. Ein Rassist ist aber nicht wer feststellt, dass Japaner anders aussehen als Afrikaner und dass die Unterschiede auf Vererbung beruhen. Rassist wäre auch nicht einmal wer feststellen würde, dass beispielsweise, die Chinesen im Durchschnitt intelligenter wären als die Deutschen. Denn diese Feststellung beinhaltet keinerlei Feststellung über die Intelligenz eines einzelnen Deutschen oder Chinesen.
Rassismus beginnt dort, wo nicht mehr auf das Individuum und sein Tun und Können geschaut wird, sondern wo eine ganze Gruppe pauschal und ausschließlich wegen ihrer ethnischen Herkunft bevorzugt oder benachteiligt wird!

Also unterm Strich ein gutes und außergewöhnlich fundiertes Buch, auch ich habe keine einzige Stelle gefunden, wo es gegen ethische Grundprinzipien und die Gebote der christlichen Nächsten­liebe und Barmherzigkeit verstößt. Wie jede andere seriöse wissenschaft­liche Arbeit hat es natürlich auch seine Schwachstellen mit missverständlichen Passagen für den, der es nicht gründlich genug lesen will. Als Grund für die Empörung der "Kritiker" kann ich letztendlich nur einen einzigen nach­vollziehen: Sarrazin nennt heikle Dinge beim Namen, bedient sich dazu wasserdichter Statistiken und einer klaren Sprache.

Das ist ungewöhn­lich in einem Land, in dem das Totschweigen unangenehmer Wahrheiten quasi zur ersten Bürgerpflicht geworden zu sein scheint. Wer möchte schon als Ewig-Gestriger, als Ausländerfeind und NPD-Sympathisant gelten?

Auf der kahlen, in grelles Licht getauchten Bühne stehen zwei klobige braune Sessel, im linken nimmt Thilo Sarrazin Platz, im rechten versinkt der Moderator, ein gewisser Manfred Osten, ebenfalls aus Berlin kommend und seines Amtes ehemaliger Generalsekretär der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Nach kurzer Einführung des Herrn Osten erhebt sich Sarrazin und tritt an ein grünes Rednerpult. Im monotonen Tonfall und mit unbewegtem Gesicht (erleidet nach einer OP unter einer halbseitigen Gesichtslähmung) begrüßt er das so zahlreich erschienen Publikum, nein, er werde nicht aus seinem Buch vorlesen, aber er will aber kurz die wesentlichen Inhalte erklären, bevor er sich anschließend der Diskussion stellen wird.
In freier Rede, mitunter etwas stotternd, beschreibt der studierte Volkswirtschaftler und ehemalige Finanzsenator und Bundesbanker zunächst die Entstehungs­geschichte seines umstrittenen Werks.
Geplant war ein Buch über die zukünftige Finanzierbarkeit unseres Sozialstaates, über die Auswirkungen der rapide gesunkenen Geburtenrate und des steigenden Durchschnittsalters auf nachfolgende Generationen, über den möglichen Verlust der Führungsrolle Deutschlands als Wirtschaftsstandort. Vor allem aufgrund seiner beruflichen Tätigkeiten verfügte er über tiefe praktische Einblicke und hatte umfassenden Zugriff auf erstklassige Statistiken.

Bis heute habe ihm keiner seiner Kritiker fehlerhafte Zahlen nachweisen können, vermerkt er nicht ohne einen gewissen Stolz.
Ein begnadeter Redner ist er nicht, das aber wusste man schon aus seinen Fernsehauftritten, wo er sich allein auf weiter Flur des Wortschwalls geifernder Grünenpolitiker und öliger Moderatoren erwehren musste.
Aber er ist zweifelsfrei ein kluger Kopf und beeindruckt mit seinem unglaublichen Gedächtnis, seinem Wissen an Zahlen und Fakten.
Das beginnt mit seiner nüchternen Analyse über die Auswirkungen des Geburtenrückgangs in Deutschland. Werden wie jetzt nur noch 0,65 Mädchen pro Mutter geboren, schrumpft jede Generation um ca. 35%. Wenn sich das nicht ändert werden in ca. 3 bis 4 Generationen die Deutschen zur Minderheit im eigenen Land. Die USA zum Beispiel haben eine deutlich höhere Geburtenquote, dort gibt es nicht dieses soziale Netz wie in Deutschland, die Rentenversicherung ist die Familie, deshalb sind Kinder dort so wichtig.

Obwohl unsere Unis mit Studenten der Geisteswissenschaften überfüllt sind fehle es an Ingenieuren, Mathematikern, Chemikern – seit Jahrzehnten ist hier ein Rückgang zu verzeichnen, immer mehr jungen Leuten mangelt es an mathematischer Kompetenz. Gibt es aber z.B. keine Maschinenbauer mehr, so verliert Deutschland seinen Status als führende Exportnation mit verheeren­den Folgen für den Sozialstaat. Dabei ginge es keinesfalls nur um Akademiker, so müsse z.B. ein Schreiner zumindest Quadratmeter berechnen können.
Auch sagt er, dass Intelligenz genauso vererbbar sei wie jede andere Eigenschaft, wer wollte dem widersprechen, wem nütze ein diesbezügliches Denkverbot? Das aber bedeutet noch lange nicht, dass ein Arbeiterkind dümmer sein muss als ein Arztkind. Wer das behauptet, versteht das Wesen einer Statistik nicht.
Für die unteren Einkommensgruppen sei es attraktiver Kinder zu bekommen als für die oberen, auch das ist richtig, denn jeder der mit offenen Augen durch dieses Land geht kann das sehen.

Nach etwa 20 Minuten schaut Sarrazin auf die Uhr und fragt die Leute, ob sie bemerkt hätten dass er das Wort "Einwanderung" noch nicht einmal in den Mund genommen habe. Auch in seinem Buch taucht es erst zu Beginn des letzten Drittels auf.
Auf dieses Thema sei er erst später beim Schreiben seines Buches gestoßen, als er diese gepriesene Wunderwaffe gegen den Geburtenrückgang auf Basis statistischer Daten untersuchen wollte.
Durch den Vergleich verschiedener (von der UN vorgegebener!) so genannter "Integrations­indikatoren" lässt sich nachweisen, dass sich Osteuropäer und Asiaten sehr schnell integrieren, bedeutende Defizite gebe es aber bei Einwanderern aus arabischen Ländern und Afrika, insbeson­dere also bei muslimischen Einwanderern. So hätten etwa 40% der Türken keinen Haupt­schulabschluss.
Für Belustigung sorgte seine Feststellung, dass laut einer Umfrage etwa 40% aller Türken in Berlin noch nie den Namen Sarrazin gehört hätten und das zu einer Zeit, als dieser fast ständig in den Medien präsent war. Das lege die Schlussfolgerung nahe, dass dieser Teil überhaupt nicht am gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilnimmt.
Eine andere Umfrage habe ergeben, dass ein großer Teil der Einwanderer gern in die alte Heimat zurückkehren würde, aber nur wegen der Sozialleistungen hier bliebe.

Wie auch in seinem Buch bleibt Sarrazin bei seinen Ausführungen betont sachlich, vermeidet Konfrontation und verlässt nie den Boden von statistisch eindeutig belegbaren Zahlen und Fakten.

Der Redner ist mit seinem Vortrag am Ende. Die Fragen, die in der nun anschließenden Diskussion gestellt werden, sind sachlich und niveauvoll, keine Pöbeleien wie bei einigen der vorhergehenden Lesungen, wo man ihn u.a. als "Nazischwein" beschimpfte. Jetzt hellen sich Sarrazins Gesichtszüge auf und man kann auch manch gut pointierten und scharfzüngigen Satz von ihm hören.

Ob er etwas weglassen würde, wenn er das Buch noch einmal schreiben könne, fragt jemand. Die Antwort ist ein klares "Nein".

Auf die Frage, wie er denn zur Politik der NPD stehe, reagiert er fast schon schroff: "Negativ. Wie denn sonst?".

Was er denn vom türkischen Ministerpräsidenten Erdogan halte, der sich bei seinen Deutschland­besuchen von seinen Landsleuten wie ein Messias feiern ließe und sogar gefordert hätte, dass die hier ab der zweiten Generation lebenden Türken zuerst Türkisch und dann erst Deutsch lernen sollten. Hier hat der Frager offensichtlich einen von Sarrazins neuralgischen Punkten getroffen. "Dieser Mensch (Erdogan) ist offensichtlich aus der Zeit gefallen", konstatiert er und vergleicht ihn mit Kaiser Wilhelm II. und dessen Ausspruch "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen".

Gefragt nach Lösungen für die in seinem Buch genannten tiefgreifenden Probleme fällt ihm nur ein "Wählen Sie jeden Politiker ab, der Probleme verneint und verharmlost", für viele scheint diese Antwort aber unbefriedigend zu sein. Ein anderer Fragesteller würde deshalb Sarrazin gern an der Spitze einer neuen Partei sehen, der aber weist derartige Ambitionen strikt zurück und fordert, dass der mündige Bürger seinen Einfluss an der Wahlurne gelten machen solle.
Großen Applaus erhält sein Satz "Solange opportunistische Schwätzer durch Wiederwahl belohnt werden, muss sich der Bürger nicht wundern."

Nach zwei Stunden ist alles vorbei. Es gibt tosenden Beifall für einen klugen und furchtlosen Mann, der wohl auch deshalb so viele Sympathien genießt, weil er der exakte Gegenpol zum stromlinien­förmigen, redegewandten und ansonsten inhaltsleeren Berufs­politiker ist.

Im Gang rechts neben der Bühne ist ein Verkaufsstand aufgebaut. Dahinter steht mit breitem Grinsen ein mir hinreichend bekannter Altenburger Buchhändler, der große rote Stapel auf seinem Tisch hat deutlich an Höhe verloren. Daneben warten in einer langen Schlange die Menschen, um sich ihr Exemplar vom Autor signieren zu lassen. Endlich bin auch ich an der Reihe, Utchen gelingt ein Foto.

Es dauert lange, bis sich der Saal geleert hat und die Schlange an der Garderobe überschaubar geworden ist. In der Zwischenzeit gönnen wir uns ein Bier und beobachten die Szenerie rund um Sarrazin, der beschattet von Bodyguards in stoischer Gelassenheit nach wie vor eifrig signiert.

Draußen vor dem Gasthof tiefes Durchatmen. Der Wind hat aufgefrischt, der lang ersehnte Regen liegt in der Luft.

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Redakteur

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27. Januar 2015, 12:08

Meine Rezension zu "Unterwerfung" (bei Amazon erschienen)

Habe diesen umstrittenen Roman des genialen französischen Autors Michel Houellebecq in zwei Tagen regelrecht verschlungen.
Das beschriebene Horrorszenario einer (auf demokratischem Weg!) erfolgten Machtübernahme des Islam in Frankreich ist durchaus nicht an den Haaren herbeigezogen und auch für ein Deutschland der Zukunft nicht ganz unwahrscheinlich (Masseneinwanderung aus muslimischen Ländern, hohe Geburtenraten, keine Integration stattdessen rasant wachsende Parallelgesellschaft, Verharmlosung dieser Entwicklung durch Politik, Kirchen und Leitmedien). Anstatt die vielen vortrefflichen Rezensionen zum Inhalt zu wiederholen, will ich aber auf einen m.E. nach sehr wichtigen (und leider im Buch kaum beachteten) Aspekt hinweisen (was aber der Qualität des Buchs keinen Abbruch tut):
Ein islamisch geführter Staat in Europa würde über kurz oder lang ökonomisch zusammenbrechen. Das enge Korsett einer im Mittelalter stehen gebliebenen Religion (eigentlich Ideologie) erstickt zwangsläufig den Geist von Freiheit und Fortschritt (siehe Ata Türk, der Vater der modernen Türkei: "Der Islam ist ein verwesender Kadaver").
Seit dem 16. Jahrhundert hat der Islam keine nennenswerten Beiträge zur Weiterentwicklung der Menschheit mehr hervorgebracht, diese kamen fast ausschließlich vom christlich geprägten Abendland.
Reiche islamische Länder, wie Saudi Arabien, Dubai, Oman etc. verdanken ihren momentanen Reichtum einzig und allein dem Öl und nicht dem Entdeckermut und den intellektuellen Leistungen ihrer Bevölkerung.
Mediale Aufmerksamkeit verknüpft mit Angst erregen heute lediglich die abscheulichen Verbrechen, die weltweit im Namen des Islam begangen werden.
Auch dieses Buch macht Angst, diesmal allerdings vor einem "friedlichen" Islam. Wäre es von einem deutschen Autor geschrieben worden, wäre das Medienecho paradoxerweise völlig anders ausgefallen, das Buch wäre mit den bekannten Worthülsen als "islamfeindliche Hetze", "Schüren von Ängsten", "Menschen werden in ihren Gefühlen verletzt" etc. in der Luft zerrissen worden (siehe Umgang von Politik und Medien mit Thilo Sarrazin).
Möge sich aber jeder Leser selbst sein Urteil bilden!